Nachtrag….

Bilder von mir aus Schweden, London und anderen Orten gibt es ab sofort hier zu sehen

Der Schmerz des Vertrauens

Ich habe es getan. Gestern habe ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen.
Ein ca. 3 cm großes „Lita på dig“ (vertraue dir) kürt jetzt für immer mein linkes Handgelenk.
Die Prozedur selber tat mehr weh, als erwartet, war aber auszuhalten, der Tattowierer sehr gut. Leider bin ich direkt nachdem er fertig war kurzzeitig in Ohnmacht gefallen, was aber mehr an meiner eigenen Dummheit war. Zu wenig gegessen, zu nervös unds atmen vergessen. Außerdem war es ziemlich warm und mein Kreislauf sowieso schon nicht auf Hochtouren.
Zum Glück hatte ich Begleitung die sich um mich kümmerte und mir dann ganz viel Soda einflößte.

Nazi, national, Patriot, oder wie?

Am Freitag war der schwedische Nationalfeiertag. Gefeiert wird hier sowohl die Krönung Gustaf Wasas zum ersten König Schwedens im Jahr 1523, sowie die Verabschiedung der Verfassung (1809). Interessant hierbei ist, dass der Tag erst seit 2005 als gesetzlicher Feiertag besteht.
Nun begibt es sich, dass ich am Freitag in Flogsta auf der Geburtstagsgrillfeierei eines Freundes war. Gegen späten Abend bin ich dann auf die Dachterrasse eines Hauses gegangen um den Sonnenuntergang zu beobachten. Nach einer Weile betrat ein Student in ungefähr meinem Alter das Dach, telefonierend. Er ging geradewegs zum Ende der Terrasse und fing auf einmal an die schwedische Nationalhymne zu singen. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, es nur als etwas komisch abgetan. Als er dann aber bei Jag vill leva jag vill dö i Norden (Ich will leben ich will sterben im Norden) den Rechten Arm (erst zu einer Faust geballt und dann nur mit einem Zeigefinger) nach schräg oben streckte haben meine Begleitung und ich uns schon ein bisschen verwirrt angeschaut. Es erinnerte doch zu sehr an eine bestimmte Geste. Und als wir dann beim späteren nach Hause fahren mehrere Menschen die Hymne haben singen hören waren wir vollends verwirrt.
War dies nun ein Nazi, ein durchgeknallter Patriot, oder nur ein Fußballfan?

Wenn die Tage länger werden…

Noch nie in meinem Leben habe ich Jahreszeiten so intensiv erlebt, wie hier. Und damit sind nicht nur die Temperauren gemeint, die sich im letzten Jahr hier in Grenzen hielten. Nein, ich meine damit hauptsächlich die Entwicklung des Tageslichts.
Gerade komme ich von einem Spaziergang zurück, es ist halb 12 nachts und es ist nicht wirklich dunkel.
Zur Zeit haben wir Dunkelheit von ca. 3 Stunden. Gegen 10 Uhr fängt es langsam an zu dämmern und zwischen halb 12 und 2 ist es dann „dunkel“, wobei es auch hier nicht mehr wirklich dunkel ist. Gegen 3 Uhr morgens ist dann bereits wieder taghell. Dieser Effekt ist seit ca. Anfang Mai zu beobachten, und die Entwicklung war sehr schlagartig. (Zitat einer schwedischen Freundin: „It comes every year as a surprise!“)
Doch so lustig sich dieses Phänomen auch anhört, hat es doch weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben, besonders auf den Schlafrythmus.
Während man im Winter, bei dem es statt 3 Stunden Dunkelheit nur 3 Stunden Helligkeit per Tag gibt, nicht wirklich wach wird, da der Körper anscheinend ständig auf schlafen eingestellt ist, hat man im Sommer mit einer dauernden Unruhe zu kämpfen.
Bedingt durch die Helligkeit kann man nicht wirklich durchschlafen und wacht ständig auf (trotz jalusien und gardine) wodurch man keinen sehr erholsamen Schlaf bekommt, und häufiger müde ist, als normal. Auf der anderen Seite setzt der Körper durch die Helligkeit automatisch in einen Tagsmodus, so dass man nach einer Weile jegliches Zeitgefühl verliert. (Im Winter habe ich die Tageszeit daran ausgemacht wieviel Menschen auf der Straße waren).1 Und noch sind 3 Wochen übrig, in denen sich der Effekt verstärken wird. Bleibt nur zu hoffen, dass ich dann wieder besser schlafen kann.
Denn abgesehen von diesem „Hinderniss“ finde ich das Phänomen der langen Tage wunderbar.

  1. Besonders extrem war es für für mich während 3 Wochen im Dezember, als sich bedingt durch vieles nächtliche Arbeiten und Feiern mein Tagesrythmus für eine Weile so verschoben hatte, dass ich bis 3/4 in in Extremfällen bis 6 Uhr auf war und dementsprechend bis 13/14 UHr geschlafen hatte. Da die Sonne aber bereits um 14.30 unten war, hatte ich in dieser Zeit im Schnitt zwischen 1-2 Stunden Tageslicht gesehen. Die Folge war, dass ich mich tlw. wie ein Zombie fühlte. Nicht wusste, ob ich wirklich existiere oder nicht, bei so wenig Tageslicht.[zurück]

Bröllop – Heiraten auf Schwedisch

Wenn man eine Zeit in einem fremden Land verbringt, möchte man so viel wie möglich von den örtlichen Gepflogenheiten erlebt/gesehen/gehört/mitgemacht haben. So ergab es sich, dass ich am Samstag ich in der Bar auf einer schwedischen Hochzeitsparty gearbeit habe. Das Brautpaar war noch relativ jung, schätzungsweise 26/27 und es waren 40 Personen anwesend.
Und während ich da so in hinter meiner Bar stehe und dem Treiben zusehe kamen mir doch so einige Erkenntnisse und Fragen:

1. Überlege dir gut, wen du an deine Musikanlage lässt.
Die erste Stunde lief ein ganz grauenhafter Mix aus Pop, Classics, schwedischen Schlagern, Techno und HipHop. Und das wechselnd mit jedem Lied!

2. Lieder nicht zu Ende zu spielen ist suuper nervig.
Genauso wie das gleiche Lied mehrmals innerhalb von 2 Stunden.

3. Meine Generation ist langweilig.
Beim Anblick der Hochzeitsgesellschaft bezweifelte ich, dass so viel getanzt werden würde. Mit einem Altersdurchschnitt von geschätzten 45 erwartete ich, dass die meisten Menschen eher sitzen bleiben würden.
Falsch Gedacht. Diejenigen, die unterdurchschnittlich auf der Tanzfläche repräsentiert waren, war die Generation unter 30.
Selbst die ältereren Damenschaften haben so gut sie konnten getanzt.
Und ehrlich gesagt habe ich selten so etwas merkwürdiges wie auch cooles gesehen wie 60jährige Männer, die zu „Can‘t touch this“tanzen.
Vielleicht haben sie es sich ja hier abgeschaut:


4. Von seiner eigenen Hochzeit zu gehen, wenn noch über die Hälfte der Gäste anwesend ist, ist lame!

5. Warum war eigentlich der Brautvater am betrunkensten von allen?

Valborg in Uppsala – Eine Stadt steht Kopf

Und die Tagesthemen schauen zu

Eigentlich wollte ich ja an dieser Stelle einen Bericht über Valborg (Walpurgisnacht) in Uppsala schreiben, aber die Tagesthemen kamen mir zuvor:

Hier anschauen

Wenn es also einen Tag gibt, an den schwedische Studenten durchdrehen, dann ist es gewiss der 30. April.
Vielleicht seht ihr mich ja in der Menschenmasse am Schluss….

Svensk Musik — Schwedische Musik #4

Eine meiner absoluten schwedischen Lieblingskünstlerin:

Annika Norlin und ihr schwedisches Projekt „Säkert!“ – „Vi kommer att dö samtidigt“1


Annika Norlin hat übrigens auch ein englischsprachiges Projekt mit dem Namen „Hello Saferide“.

  1. Wir werden gleichzeitig sterben [zurück]

Får man ha får på planet?

Was passiert, wenn man im folgenden Satz das Freizeichen verschiebt?

„Djupfryst Kycklinglever“ --> „Djupfryst kyckling lever“
Richtig! „Tiefgefrorene Hünerleber“ wird zu „Tiefgefrorenes Huhn lebt“.

Wenn ihr schon immer mal Schwedisch lernen wollt, hier ist eure Chance:
Slay Radio: Mastering Swedish

Lehrt euch wichtige Sätze wie:

„Får man ha får på planet? – Sind Schafe im Flugzeug erlaubt?“
„Tomten stod på tomten – Der Weihnachtsmann stand im Garten“

Oder die Aussprache von:
Gjorde Göran Guns gynekolog generad?

Vorbei die Zeit von Langweiligen Sprachbuchsätzen wie: „wieviel kostet der kuchen?“ „Jens fragt Ulrike nach dem Weg zur Oper“
Besser: „Jag renar mina renar inför slakten“ Ich reinige meine Reentiere vor dem Schlachten!

Vilken jävla idiot bestämmde det?

ARGH! Schock gestern Abend. Irgendwie haben wir es doch tatsächlich geschafft genau an den 2 Tagen in Kiruna zu sein, an denen das Melodiefestivalen, der schwedische Vorentscheid zum Eurovision Song Contest dort stattfindet. Dementsprechend sind alle Hostels und einigermaßen erschwinglichen Unterkünfte ausgebucht.
Nach einer Weile rumtelefonieren haben wir dann doch noch tatsächlich eine Unterkunft gefunden. Zwar nicht in Kiruna, sondern Abisko, was ca. 1 Stunde mit dem Zug von Kiruna entfernt liegt. Schön und gut, nur fährt dort oben jwd oder „in the middle of nowhere“ der Zug nach Kiruna nur 2 Mal am Tag und unser Zug zurück fährt um 8 Uhr morgens. Mist. Auch das noch! Es war aber zum Glück möglich unsere Zugtickets umzubuchen. Ich hatte schon unsere Reise dahinwschwinden sehen. Angesichts der Tatsache, dass wir bereits jede/r 1100 SEK für die Zugfahrt ausgegeben hatten doch etwas ärgerlich.
Doch nun werden wir nicht des nachts erfrieren müssen.
Alles ist gut.
Und um mal ein bisschen Neid aufkommen zu lassen: So was tolles kann man dort sehen, wo wir dann sind.

Ey Bro

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